Opuwo, ein kleines Dorf im Norden Namibias an der Grenze zu Angola. Im Umkreis von 500 km nichts, außer die Wüste des Kaokovelds. Viele Menschen sind auf der Straße, es läuft Radiomusik. Zwischen umherlaufenden Kühen und fahrenden Autos wird gegrillt. Es gibt zwei Tankstellen, ein Gästehaus und zwei Supermärkte, in denen die dort lebenden Herero- und Himbafrauen einkaufen. Daneben stehen Hütten aus Ästen und Tüchern. Es ist ein skurriles Aufeinandertreffen zweier Welten, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Ich reise gemeinsam mit Annika. Wir werden eingeladen eine kleine Siedlung 15 km nördlich der Stadt zu besuchen und treffen dort auf ca. 25 Himba, viele Ziegen, Hunde und Hühner, die neben den Hütten aus Ästen, Lehm, Dung, Wellblech, Folien und Tüchern sitzen. Überlebensprinzip Großfamilie. Vier Frauen mit ihren ca. 20 Kindern und ein Mann. Sein Name ist Uamangua. Als Einziger im Dorf spricht er Englisch.

Die Himba sind die letzten halbnomadischen Jäger und Sammler Namibias. Ihren Reichtum messen sie an der Zahl ihrer Rinder und der Menge des Ernteertrages. Besonders fällt mir die Geschlechterrollenverteilung ins Auge. Den Männern ist es gestattet eine Polygame Ehe zu führen. Im Gegensatz zu den Frauen, deren gesamtes äußeres Erscheinungsbild auf ihren Sozial- und Fruchtbarkeitsstatus abgestimmt ist, sind die Männer westlich gekleidet. Trotzdem wirken die Frauen autonom und selbstbewusst auf mich. Jede Einzelne stolz und an-
mutig, wie eine Königin. Aber wie lange wird es den Himba noch möglich sein das Leben zwischen Tradition und Moderne in der Zukunft fortführen zu können?